Charles Lewinsky: Melnitz

Meine Frau fand die ersten Seiten wenig unterhaltsam, hat aber auf meine Bitte hin weitergelesen und begeisterte sich schließlich immer mehr für dieses Buch. Es erzahlt die Geschichte eines jüdischen Familienverbandes in der Schweiz zwischen 1870 und 1945. Interessant, berührend, manchmal tragisch und immer mit einem Schuss hintergründigem Humor. Extrem lesenswert und mein bisheriges Nr. 1 Buch 2022.

C.S. Mahrendorff: Und sie rührten an den Schlaf der Welt

Das Buch des leider viel zu früh verstorbenen Autors verbindet spannend und in bester Erzählmanier Zeitgeschichte, historische Personen, eine Liebesgeschichte und einen Kriminalfall zu einem außergewöhnlichen Roman, der in der Zeit der Wiener k.u.k. Monarchie spielt. Wer mehr wissen möchte, klicke hier an. Diesem Buch schließen sich zwei weitere an: Der Walzer der gefallenen Engel und  Das dunkle Spiel. Alle drei Bücher sind noch neu oder antiquarisch zu bekommen und garantieren einen spannenden Lesesommer!

 

Katharina Fuchs: Zwei Handvoll Leben und Neuleben

Die Geschichte zweier Großmütter der Autorin. Es treffen zwei Welten aufeinander nach 1900. Großgrundbesitzerin und Näherin in Berlin. Wer den ersten Band gelesen hat, will natürlich wissen, wie es in den beiden Familien nach 1945 weitergeht. Mein Kommentar: Leichte Unterhaltung, oft spannend geschrieben.

 

Mechthild Borrmann: Trümmerkind

Der 14jährige Hanno Dietz kämpft mit seiner Familie im zerstörten Hamburg der Nachkriegsjahre ums Überleben. Viele Monate ist es bitterkalt, Deutschland erlebt den Jahrhundertwinter 1946/47.
Eines Tages entdeckt Hanno in den Trümmern eine nackte Tote - und etwas abseits einen etwa dreijährigen Jungen. Der Kleine wächst bei den Dietzens in Hamburg auf. Warum die Schicksale zweier Familien geschildert werden, erfährt der Leser erst am Ende des Buches. Der Roman beschreibt spannend und einfühlsam die ersten Nachkriegsjahre. Krimi? Ich finde, eher nicht aber die Verlage versuchen halt jedes Buch in eine Schublade zu stecken.

Willy Brandt: Links und frei

Das Buch macht immer wieder Freude, wenn man es zur Hand nimmt. Willy Brandt läßt tiefe Einblicke in seine Gefühlswelt als junger Mann zu und seine Jugendzeit während des Dritten Reiches, die er in Spanien, Norwegen und schweden verbrachte, ist spannend geschrieben. Es ist für Deutschland ein großes Glück, dass er nach 1945 wieder nach Deutschland kam und Bundeskanzler wurde.

Helmut Schmidt und Giovanni di Lorenzo: Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt

Schmidt hat viele geschrieben - Kluges, manchmal auch Langweiliges über Politik und "Menschen und Mächte". Die kleine Gesprächsreihe "Auf eine Zigarette" gewährt Einblicke in den Menschen Helmut Schmidt und in sein Privatleben, wie man sie sonst nicht findet.

Sebastian Haffner: Der Teufelspakt. Fünfzig Jahre deutsch-russische Beziehungen oder

Die deutsch-russischen Beziehungen vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg.

Aufregender als jeder Roman hat Sebastian Haffner die Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen genannt - und so schildert er sie auch. Viele wissen nicht, dass Deutschland die bolschewistische Revolution 1917 unterstützt bzw. erst möglich gemacht hat. Nur von diesem Bündnis Deutschlands mit der bolschewistischen Revolution aus - ein Teufelspakt für beide Seiten - ist die komplexe Geschichte deutsch-russischer Verstrickung zu begreifen. Bereits 1968 geschrieben ist es heute aktueller denn je und auch wieder bestellbar.

Ruth Andreas-Friedrich: Der Schattenmann

Wer einmal wissen möchte, wie eher links-liberale Menschen das Dritte Reich überstanden, was sie dachten, was sie gegen die Nazis taten, sollte unbedingt zu den Tagebüchern von Ruth Andreas-Friedrich greifen.  Der Berlinerin, die nach dem Krieg als Chefredakteurin einer Frauenzeitschrift arbeitete, ist in Berlin Steglitz ein kleiner Park gewidmet.

Vicky Baum: Es war alles ganz anders. Erinnerungen

Manche kennen noch ihr Buch "Menschen im Hotel". Wenige ihre Autobiografie. Baum ist eine großartige Erzählerin – und ihr Leben ist derart angefüllt mit Außergewöhnlichem, dass es geradezu schwindelig macht. »Es war alles ganz anders« beschwört die pulsierenden Metropolen Wien und Berlin in einer explosiven Zeit des Umbruchs herauf. Und es führt vor, wie eine starke und moderne Frau ihren Weg geht vom Berlin der 20er Jahre bis nach Hollywood in einer von Männern dominierten Welt. Als Taschenbuch bestellbar.

Hans Rosenthal: Zwei Leben in Deutschland

Wer sich noch an Hänschen Rosenthal erinnert, dem fällt mit Sicherheit ein "Dalli-Dalli" und "Das ist Spitze!". Kaum aber jemand weiß, dass er das Dritte Reich versteckt in Berliner Gartenlauben überlebt hat. Davon erzählt seine Autobiographie.  Ebenfalls zu empfehlen:

Michael Degen: Nicht alle waren Mörder und Hardy Krüger: Was das Leben sich erlaubt. Krügers Bericht über seine Kind- und Jugendzeit in Nazideutschland ist lesenswert - auch im Hinblick auf den Widerstand anderer Schauspieler, die er in Berlin-Babelsberg kennenlernte.

Tatiana Metternich: Bericht eines ungewöhnlichen Lebens

Ich fand das Buch bei einem Besuch in den letzten Lebenstagen meiner Mutter in ihrem Bücherschrank und fing aus Langeweile darin zu lesen, während sie ein Nickerchen machte. Der volle Name der Autorin: Tatiana von Metternich-Winneburg, geborene Prinzessin Tatiana Ilarionowna Wassiltschikoff. Das mag ja ein Kitschbuch sein, dachte ich - doch weit gefehlt! Der Lebensbericht der von Russland über Böhmen nach Hessen führt ist gut geschrieben und voller spannender Wendungen. Eine mutige Frau in dunklen Zeiten. Antiquarisch noch zu haben.

Agnes-Marie Grisebach: eine Frau Jahrgang 13. Roman einer unfreiwilligen Emanzipation

Noch ein Überraschungsfund im Bücherschrank meiner Mutter. Mit 75 Jahren schrieb die autorin 1988 ihr erstes Buch.  Ihre spannende Lebensgeschichte führt durch die Weimarer Republik, durch Nazideutschland und die Deutsche Demokratische Republik bis zum Jahr 1952. Am Ende steht sie mit vier Kindern, zwei Koffern, fünf Rucksäcken, ohne Geld in der Bundesrepublik und fängt, 38 Jahre alt, noch einmal ganz von vorn an. Ein Klasse-Buch!

 

 Peer Martin: Blut und Schokolade

Als die 18-jährige Manal auf der Suche nach ihren Wurzeln an die Elfenbeinküste reist, ändert sich ihr Leben auf einen Schlag: Hinter einem von Hunden bewachten Zaun steht Issa, mitten im Urwald. Und braucht ihre Hilfe. Er will seinen kleinen Bruder nach Hause holen, der, wie viele andere Kinder, zum Arbeiten auf die Kakaoplantage verschleppt wurde. Doch so einfach ist das nicht, denn in der Welt hinter dem Zaun herrschen eigene Regeln. Jugendbuch-Tipp der ZDF-MOMA-Redaktion

 Günter de Bruyn: Zwischenbilanz. Eine Jugend in Berlin

Skeptisch und gelassen erzählt Günter de Bruyn von seiner Jugend in Berlin zwischen dem Ende der zwanziger und dem Beginn der fünfziger Jahre. Ein Entwicklungsroman und Epochenpanorama in einem, das vom Niedergang der Weimarer Republik bis zu den Anfängen der DDR reicht.

 Günter de Bruyn: Vierzig Jahre: Ein Lebensbericht

Seine Autobiographie über das Leben in der DDR. Vierzig Jahre hat Günter de Bruyn in der DDR verbracht. So offen, so uneitel und gewissenhaft, wie es bislang wohl noch nie geschah, berichtet er in diesem Buch vom Leben eines Bürgers in einem diktatorischen Staat. Das ist die Fortsetzung von Zwischenbilanz. Guter Stil, Top Lesevergnügen!

Bill Bryson: Sommer 192 (Amerikanisch: One Summer)

Es ist die Geschichte eines legendären Sommers: 1927 in Amerika. Es ist die Zeit der Goldenen Zwanziger. Für die USA ist dieses Jahr entscheidend auf dem Weg zur Weltmacht. Bill Bryson erzählt von diesem Sommer und seinen Auswirkungen auf die gesamte Weltgeschichte, als sei es eine unglaubliche Abenteuergeschichte, voller erstaunlicher Momente aus der Zeit, als Amerika erwachsen wurde. Bryson hat viele Reisebücher geschrieben - alle sehr unterhaltsam.

 

Florian Illies: Liebe in Zeiten des Hasses

Chronik eines Gefühls 1929 - 1939

»Lesen Sie bitte dieses Buch, es ist hinreißend. Ich habe so viel Neues erfahren, über die Liebe, die Kunst und das Grauen.« sagt Ferdinand von Schirach. Ich sage: Sein Buch 1913 liest weitaus sich besser oder wie es ein Freund schärfer formulierte: Das Goldene Blatt für Intellektuelle.